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13.11.2017 - Kategorie: ELKRAS

ELKRAS: Kathedrale St. Peter und Paul rückübereignet




MOSKAU, Russische Föderation/GENF (LWI) – Der 25. Oktober ist für Erzbischof Dietrich Brauer von der Evangelisch-Lutherischen Kirche Russlands ein Festtag. Er kann den symbolischen Schlüssel der Moskauer Kathedrale St. Peter und Paul entgegennehmen, die 1938 durch das stalinistische Regime enteignet worden war.



Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, mit Erzbischof Dietrich Brauer bei der Besichtigung der Kirche. – Bild: ELKRAS/Elena Djakiwa

St. Peter und Paul in Moskau – Bild: ELKRAS

Hochrangige Gäste im Gottesdienst zur Rückübereignung der Kathedrale St. Peter und Paul in Moskau – Bild: ELKRAS/Elena Djakiwa

»Heute ist ein besonderer Tag in der Geschichte der Evangelisch-Lutherischen Kirche Russlands«, beschreibt Brauer diesen historischen Moment. »Wir erhalten vom Staat unsere Kathedrale zurück. Die historische Gerechtigkeit ist wiederhergestellt worden und die Gläubigen fühlen sich endlich in der Kirche wie Zuhause. Das ist ein neues Gefühl. Und das ist eine große Gabe von Gott, die wir erhalten.« Er sei den staatlichen Behörden dankbar, so Brauer, die diese Übergabe ermöglichten.

Die Rückübertragung des Kirchengebäudes erfolgte anlässlich der 500-Jahr-Feiern der Reformation. An der Zeremonie der Rückübertragung nahm auch der Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Frank-Walter Steinmeier, teil. Es gehe ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung, sagte Steinmeier bei seinem Besuch in Moskau.


Wechselvolle Geschichte

Die Wurzeln der Kirche gehen bis 1694/95 zurück, als in Moskau neben der Michaelskirche (zerstört 1928) eine zweite Kirche für deutsche Lutheraner entstand. Sie wurde zunächst nur als »Neue Kirche« bezeichnet, hieß aber offiziell St. Peter und Paul. Dreimal brannte dieses Gebäude ab (1711, 1737 und 1748), wurde aber immer wieder aufgebaut, bis es schließlich im Brand von Moskau 1812 unterging.

1817 baute die Gemeinde ein Haus in der Starosadsky-Gasse zur Kirche um, die 1819 eingeweiht wurde. Aufgrund der rapide wachsenden Gemeinde wurde diese Kirche 1860/61 umgebaut und 1903–1905 durch einen Neubau, die heutige Kirche, ersetzt.

1938 wurde die Kirche durch das stalinistische Regime enteignet. Der damalige Pastor von St. Peter und Paul, Alexander Streck, wurde zusammen mit dem Kirchenvorstand erschossen. Das Gebäude diente erst als Konzertsaal, später als Kino, dann wurde es zum Filmstudio umgewandelt. Dafür wurde eine Zwischendecke in das Kirchenschiff eingezogen und die Turmspitze 1957 entfernt.

Ab Mitte der 1991 erhielt die Gemeinde schrittweise wieder Zugang zum Gebäude und konnte zunächst eine Kapelle einrichten. 2004 konnte der Innenraum wiederhergestellt werden. Am 1. Advent 2008 wurde das Gotteshaus nach siebzig Jahren wieder seiner eigentlichen Bestimmung übergeben und nun am 25. Oktober der Gemeinde rückübereignet.


Anerkennung des Beitrags zu Frieden, Versöhnung und Zusammenarbeit

»Dieses Ereignis ist nicht nur für die Evangelische-Lutherische Kirche in Russland wichtig, sondern auch für den Lutherischen Weltbund und für die gesamte lutherische Weltgemeinschaft, besonders im Jahre des Reformationsjubiläums 2017. Die Kirche wurde an die rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben. So wurde auf symbolische Weise das Recht der Lutheranerinnen und Lutheraner in Russland zum Leben und Handeln bestätigt. Ich sehe hier auch die Anerkennung des reichen Beitrags der Lutheranerinnen und Lutheraner zu Frieden, Versöhnung und Zusammenarbeit in Russland«, unterstreicht der Europareferent des Lutherischen Weltbundes (LWB), Pfarrer Ireneusz Lukas. (Quelle: LWI)


Der Martin-Luther-Bund unterstützt die lutherische Gemeinde in Moskau und die Kirche in Russland seit vielen, vielen Jahren.

 

» Videobeitrag von RT Deutsch Aktuell

» Videobeitrag der Deutschen Welle (in Englisch)

» Moskau: St. Peter und Paul (GoogleMaps)