Der scheidende und der neugewählte Präsident des Martin-Luther-Bundes

Bischof Tilman Jeremias aus Greifswald wird neuer Präsident des Martin-Luther-Bundes

Der Bischof der Nordkirche im Sprengel Mecklenburg und Pommern, Tilman Jeremias aus Greifswald, wurde bei der Bundesversammlung des Martin-Luther-Bundes in Neuendettelsau am 26. Juni 2026 einstimmig zum neuen Präsidenten des Martin-Luther-Bundes gewählt.

Er übernimmt dieses Amt in Nachfolge des früheren Leitenden Bischofs der Evangelisch-Lutherischen in Ungarn, Bischof Dr. Tamás Fabiny, der dieses Ehrenamt seit 2022 innehatte. Fabiny dankte für die intensive Zeit gemeinsamen Wirkens für die lutherische Diaspora in Rahmen der lutherischen Weltgemeinschaft. Er unterstrich den besonderen Charakter der Arbeit des Martin-Luther-Bundes, der er persönlich Mitte der 1980er Jahre eng verbunden ist. Damals hatte er seinen ersten Studienaufenthalt beim Martin-Luther-Bund in Erlangen. Er erinnerte auch an die ersten Sommersprachkurse der Martin-Luther-Bundes 1982 im Vorfeld der Vollversammlung der Lutherischen Weltbundes 1984 in Budapest.

Der scheidende Präsident Bischof em. Dr. Tamás Fabiny, der Stellvertretende Präsident Prof. D. Dr. Rudolf Keller und der neu gewählte Präsident Bischof Dr. Tilman Jeremias (v.l.). – Bild: Ludwig
Der scheidende Präsident Bischof em. Dr. Tamás Fabiny, der Stellvertretende Präsident Prof. D. Dr. Rudolf Keller und der neu gewählte Präsident Bischof Tilman Jeremias (v.l.).

Der stellvertretende Präsident, Prof. D. Dr. Rudolf Keller, dankte dem scheidenden als auch dem neu gewählten Präsidenten für die Bereitschaft trotz vieler anderer Verpflichtungen sich der geistlich, theologisch und helfend ausgerichteten internationalen Arbeit des MLB für die kleinen lutherischen Kirchen und Gemeinden in der Diaspora anzunehmen.

Nach seiner Wahl zeigte sich Bischof Jeremias dankbar und bewegt. »Ich empfinde großen Respekt vor dieser Aufgabe und freue mich zugleich über das Vertrauen, das mir mit dieser Wahl entgegengebracht wird«, sagte der Bischof. »Der Martin Luther Bund verbindet Menschen und Kirchen über Grenzen hinweg und stärkt lutherische Minderheiten weltweit. Diese Arbeit möchte ich mit ganzer Kraft unterstützen und weiterführen. Mein besonderer Dank gilt meinem Vorgänger, Bischof em. Dr. Tamás Fabiny, der dieses Amt mit Klarheit, geistlicher Tiefe und internationaler Weite geprägt hat.«

Besonders schätzt Jeremias die theologische Arbeit des Martin-Luther-Bundes, etwa mit der jährlich veranstalteten internationalen Tagung zu lutherischer Theologie, die Theologinnen und Theologen aus aller Welt zusammenführt und den Austausch über aktuelle Fragen lutherischen Glaubens und seiner Kirchlichkeit fördert. »Diese geistige Weite und die gemeinsame Suche nach tragfähiger Theologie sind für mich ein großer Schatz«, betonte Jeremias.

Tilman Jeremias wurde 1966 in Mainz geboren und wuchs in Gröbenzell bei München auf. Nach dem Abitur arbeitete er ein Jahr lang in einer heilpädagogischen Tagesstätte für psychisch kranke Kinder in München. Im Anschluss studierte er Evangelische Theologie in München, Tübingen und Leipzig. In Jerusalem verbrachte er ein Theologisches Studienjahr an der Dormitio Abtei. Nach seinem Vikariat in Mecklenburg war er Gemeindepastor in Rostock und später Pastor für Mission und Ökumene im Kirchenkreis Mecklenburg. 2019 wurde er zum Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche gewählt und ist im östlichen Kirchengebiet gut vernetzt. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der ökumenischen Zusammenarbeit, der theologischen Bildung und der Stärkung kirchlicher Präsenz im ländlichen Raum. Tilman Jeremias hatte bis zu seinem Eintritt ins Bischofsamt einen Lehrauftrag an der Theologischen Fakultät der Universität Rostock und war Mitglied der Kirchenkreissynode des Kirchenkreises Mecklenburg. 2018 erschien sein Buch »Sabbat – Gottesgeschenk für alle«.

Die Beratungen waren intensiv - und schweißtreibend bei über 30° C … – Bild: Ludwig
Die Beratungen waren intensiv – und schweißtreibend bei über 30° C …

Bei der Wahl von Bischof Jeremias wurde aus der Mitte der Bundesversammlung dankbar als Zeichen begrüßt, sich aus der Diaspora heraus für die lutherische Diaspora weltweit zu engagieren. Geistliche Gemeinschaft, der theologische Austausch und der helfende Beistand bleiben für die lutherische Diasporaarbeit aktuell.

Beschlossen wurde, die Diasporagabe 2027 einzuwerben für den Bau und die Einrichtung eines evangelischen Wohnheims bei der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Rumänien (EKR) in der zweitgrößten Stadt Rumäniens, in Klausenburg (Kolozsvár/Cluj-Napoca). Die lutherische Kirche vor Ort will nicht nur der großen Wohnraumnot für Studierende begegnen, sondern mit diesem Wohnheim auch einen gemeinschaftlichen und geistlichen Rahmen anbieten.

Bei der Berichterstattung im Rahmen der Bundesversammlung stand die lutherische Arbeit der Inneren Mission Paris im Rahmen des Pariser lutherischen Pfarrkonventes der Vereinigten Protestantischen Kirche Frankreichs im Mittelpunkt. Aktuelle Berichte zur bedrückenden Lage der Gemeinden in der Ukraine, auf der Krim, in den besetzten Gebieten und in Russland mit ihren sehr unterschiedlichen Herausforderungen bildeten einen weiteren Schwerpunkt. Berichte aus den Niederlanden, der Schweiz mit dem Fürstentum Lichtenstein und den Vereinen in Deutschland ergänzten das Bild.

Die Bundesversammlung des Martin-Luther-Bundes im Juni 2026 in Neuendettelsau. – Bild: MLB
Die Bundesversammlung des Martin-Luther-Bundes im Juni 2026 in Neuendettelsau

Erneut in den Vorstand gewählt wurden Pastorin i.R. Birgit Mahn vom MLB in Hamburg und Pastor Dr. Tim Unger vom MLB in Oldenburg. Außerdem wurde ein neuer Generalsekretär gewählt, der seinen Dienst erst im Februar 2027 antreten soll. Daher wird er zu einem späteren Zeitpunkt vorgestellt werden.

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