Wittenberg – Am 21. Juli 2026 begann in der Lutherstadt Wittenberg erneut der Sommersprachkurs Deutsch für kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der lutherischen Diaspora. 21 Pfarrer, Pfarrerinnen, Mitarbeitende und Studenten aus zwölf Ländern kommen aus den Niederlanden, aus Kasachstan, Georgien, Russland, der Ukraine, Ungarn, der Slowakei, Tschechien, Polen, Lettland, Estland und sogar Finnland. Fast vier Wochen werden die Gäste in zwei Gruppen vormittags und nachmittags in zwei Gruppen unterrichtet.

Frau OKR i.R. Evelin Albrecht aus Hamburg übernimmt vormittags den Unterricht in Grundlagen der deutschen Sprache und nachmittags in veränderter Zusammensetzung der Gruppen die theologische und geistliche Lektüre. Sie bereitet auch in Einzelgesprächen die von den Teilnehmenden selbst verfassten Kurzauslegungen auf Deutsch für die Morgengebete mit vor.
Frau Katharina Bobzin (Erlangen) übt vormittags intensiv Gespräch, Konversation, Hörverständnis, genaue Aussprache und nachmittags für Anfänger eine etwas einfachere Lektüre.

Pfarrer i.R. Friedrich Mebert (Würzburg) begleitet neben dem Generalsekretär den Kurs organisatorisch und steht für die zahllosen Einzelgespräche und Fragen zur Verfügung.
Gemeinsame Gebete (auf Deutsch) am Morgen, abends oder bei Tisch und die zahlreichen Gespräche nehmen den Gästen die Furcht, in der fremden Sprache auch öffentlich und vor anderen geistlich, kirchlich und theologisch zu sprechen und so miteinander in Austausch zu treten.
Um Wittenberg als Wiege der lutherischen Reformation genauer kennenzulernen, kommen eine Reihe von Besuchen und Besichtigungen dazu. Bereits in der ersten Woche gab es eine sachkundige Führung durch die Stadtkirche (mit Turmbesteigung zur legendären Türmerwohnung bei strahlendem Sonnenschein). Vor dem Gottesdienst am ersten Sonntag – im Freien auf der Wiese bei der Schlosskirche – durfte die Gruppe der Gäste wieder die »Historische Stadtführung durch Martin-Luther selbst« erleben (dargestellt vom früheren Kirchmeister der Stadtkirche, Bernhard Naumann).
An diesem Freitag stehen der Besuch beim » Lutherhaus (das derzeit und noch bis 2028 innen grundlegend saniert wird) und im Melanchthonhaus an – mit einer Ausstellung zu Cranach und seinen Porträts der Wittenberger Reformatoren und der bildlichen Darstellung des reformatorischen Glaubens.

Gottesdienstbesuch in der Schlosskirche und eine Führung durch diese Kirche sind für den kommenden Sonntag geplant. Hinzu kommen Besuche in der Reformationsgeschichtlichen Bibliothek im Schloss und im »Panorama 1517«.
An den unterrichtsfreien Samstagen und Sonntagen werden die Gäste in kleineren, selbst organisierten Gruppen aufbrechen, um die Umgebung – Leipzig, Torgau, Dessau oder auch Berlin – kennenzulernen.
Die Superintendentin der Kirchenkreises Wittenberg, Dr. Gabriele Metzner, wird in das kirchliche Leben der Region einführen. Regionalbischof Dr. Johann Schneider (Magdeburg) wird für Fragen zum kirchlichen Leben in Deutschland insgesamt zur Verfügung stehen.
Gegen Ende des Kurses wird der neue Präsident des Martin-Luther-Bundes, Bischof Tilman Jeremias aus Greifswald, nach Wittenberg kommen, um die Gäste des diesjährigen Kurses und ihre Kirchen an einem Nachmittag und Abend kennenzulernen. Zu diesem Termin kann vorab auch der neu gewählte Generalsekretär des Martin-Luther-Bundes kurz dazu kommen, um ab Februar 2027 mit möglichst viel unmittelbarer Anschauung seinen Dienst zu beginnen.
Der erste »Sommersprachkurs Deutsch« für Gäste aus der Diaspora fand im September 1982 im Haus des Martin-Luther-Bundes in Erlangen statt, damals vor allem für ungarische Pfarrer und Pfarrerinnen, um sie als Gastgeber auch in deutscher Sprache für die für 1984 geplante Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in Budapest vorzubereiten. Hinzu kamen auch Gäste aus der Tschechoslowakei, den USA und Jugoslawien. Zu den ersten Teilnehmern 1982 gehörte auch der frühere Leitende Bischof und Bischof des Norddistrikts der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Ungarn, Dr. Imre Szebik, damals noch Dekan (Senior) im Bezirk Borsod-Heves. Bei einem Besuch des Vorstands des Martin-Luther-Bundes im März 2024 bei seinem damaligen Präsidenten, Bischof Dr. Tamás Fabiny, in Budapest erinnerte sich Altbischof Szebik vor allem an diese außerordentliche Gelegenheit der Begegnung und des lernenden Austausches in einer Zeit der tiefen Gegensätze zwischen Ost und West in Europa, der seitdem viele weitere Gelegenheiten gefolgt sind.

Welche grundlegende Bedeutung diese Form des Austausches und des Lernens in Gemeinschaft hat, betonte bereits 1982 der damalige Generalsekretär des Martin-Luther-Bundes, Peter Schellenberg. In einer persönlichen Stellungnahme sprach er angesichts des in seiner Heimatstadt Hamburg schon damals als drastisch empfundenen Rückgangs der aktiven Christen davon, dass in der extremen Diaspora (nicht nur in Ungarn) »die Kirche von morgen trainiert wird«.
Bis heute kann der Martin-Luther-Bund dieses Angebot kirchlichen Lernens und der Begegnung in der Gemeinschaft der lutherischen Kirche weltweit aufrechterhalten, dank der Unterstützung zahlreicher Spenderinnen und Spender, der » VELKD und des » DNK/LWB. Es gab in den bisher 46 Jahren seit dem ersten Kurs nur 1998 eine Unterbrechung während einer Vakanz beim Amt des Generalsekretärs. Und 2017 war der Martin-Luther-Bund anstelle des Sommersprachkurses in Erlangen mit Gästen aus der lutherischen Diaspora Russlands, Frankreichs, der Niederlande und Großbritanniens für einige Zeit im »Himmelszelt« bei der Weltausstellung zur Reformation in Wittenberg dabei, während sich die anderen Kirchen aus der lutherischen Kirche weltweit, nicht nur aus deren Diaspora, Woche für Woche abwechselten.
Seit 2019 findet der Kurs regelmäßig im » Colleg Wittenberg, in unmittelbarer Nachbarschaft zum » LWB-Zentrum des DNK/LWB in der Lutherstadt Wittenberg statt, nachdem der Martin-Luther-Bund sein Haus in Erlangen 2019 verkaufen musste. Mit dem gastgebenden Geschick des Collegs konnte der Kurs auch in allen Sommern während der Pandemie von 2020, 2021 und 2022 ohne Unterbrechung abgehalten werden.