Altar und Kreuz in der Brunnenkirche in Hofgeismar

Lutherisch – der bessere Gottesdienst?

Provokativ war der Titel formuliert, unter dem die Theologischen Tage des Martin-Luther-Bundes Ende Februar in Hofgeismar standen. Ausgangspunkt war die lutherische Erneuerung des mittelalterlichen Messgottesdienstes nach dem Augsburger Bekenntnis Artikel 24.

Doch schon das grundlegende Einführungsreferat von Dozentin Dr. Dorothea Haspelmath-Finatti von der Universität Wien öffnete das Thema in den ökumenischen Horizont der weltweiten Christenheit. Neben Beispielen aus der deutschen praktischen und systematischen Theologie zum Thema gehören zu diesem Horizont aktuelle Impulse aus Nordamerika, der liturgischen Erneuerung dort in der Orthodoxie, beim Luthertum und dem Katholizismus. Hinzu kommen neuere liturgische Beiträge aus der römisch-katholischen Forschung in Italien.

Konzentriertes Zuhören, hier beim Vortarg von Dr. Anton Tikhomirov.
Konzentriertes Zuhören, hier beim Vortrag von Dr. Anton Tikhomirov.

Studiendirektor Dr. Sámuel Nánási vom LWB-Zentrum in Wittenberg vertiefte das Thema mit einer Erinnerung an die dezidiert lutherische theologische Grundlegung des Gottesdienstes durch den früheren Heidelberger Systematiker Peter Brunner (1900–1981).

Und der Rektor des Theologischen Seminars in St. Petersburg, Dr. Anton Tikhomirov, zeigte an Beispielen aus Russland die besonderen Chancen eines evangelisch-lutherischen Gottesdienstes zwischen vorgeblich begeisternden Inszenierungen und einer allzu fest gefügten Tradition.

Grundlegend kam die Einsicht zum Tragen, dass beim lutherischen Gottesdienst das Zeugnis der unverdienten und daher auch von Menschen nicht gemachten Gnade Gottes durch Christus vor allen zu kurzatmigen Werbe- oder Marketingversuchen steht. Er geht mehr als alles andere darum, das anvertraute Gut der Gnade Gottes und seiner Vergebung um Christi willen weiterzugeben, »dass im Gottesdienst der Mensch stillhält und lässt [Gott] ihm wohltun« (Julius Smend 1904 zu Luther).

In Arbeitsgruppen wurde diese Einsicht anhand grundlegender Texte Martin Luthers zur Kirche, zum Altarsakrament und zur Erneuerung der Evangelischen Messe (auf Deutsch) vertieft. Mit Gästen aus den Niederlanden, Frankreich, der Schweiz, Österreich, Deutschland, Polen, Litauen, Lettland, Estland, Russland, Kirgistan, Georgien, Rumänien, Ungarn und der Slowakei erreichte der Gedankenaustausch eine große Weite.

Pastor Mathias Krüger, Bischof Rolf Bareis und Diakonin Kirsten Böcker in der Brunnenkirche in Hofgeismar
Pastor Mathias Krüger, Bischof Rolf Bareis und Diakonin Kirsten Böcker in der Brunnenkirche in Hofgeismar

Im feierlichen Abendmahlsgottesdienst in der Brunnenkirche, gestaltet von Pastor Mathias Krüger (Henstedt-Ulzburg) und Diakonin Kirsten Böcker (Norderstedt), predigte Bischof Rolf Bareis (Georgien).

Die nächsten Theologischen Tage des Martin-Luther-Bundes mit Gästen aus der Diaspora sollen 2027 vom 22.–24. Februar im bewährten Format wieder in Hofgeismar stattfinden.

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