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08.08.2014 - Kategorie: Italien, LD online

LD online: Es lebe die Schule … die funktioniert!




Schule am Golf von Neapel

 

Auszug aus dem »Lutherischen Dienst« 3/2014



Lutherischer Dienst 3/2014

Die Schule »Gesù di Nazareth« in Santa Maria la Bruna gehört zur Gemeinde Torre Annunziata am Golf von Neapel. – Bild: ELKI

Pfarrer Paolo Poggioli setzt die Arbeit seines Vaters Idelmo Poggioli fort, der schon in den Jahren 1952 bis 1954 mit den ersten Schulgründungen am Golf von Neapel damit begonnen hatte, sich für die Bildung der Kinder einzusetzen. – Foto: MLB

Auf der Suche nach einer Bildungsstätte begeben wir uns nach Kampanien, nach Santa Maria la Bruna, einem dichtbesiedelten Gebiet unweit des Meeres. Dort besuchen wir die Gesù-di-Nazareth-Schule. Unser erster Eindruck ist positiv: Im Eingangsbereich vermitteln die Murales, die Wandgemälde der Kinder, eine heitere und fröhliche Atmosphäre. Der Schulleiter, Pfarrer Paolo Poggioli, empfängt uns stolz, wie jemand, der sich seit langen Jahren mit großer Energie und großer Leidenschaft seiner Aufgabe widmet: »Wir wollen eine Schule, die funktioniert und allen offen steht.«

 

Das bedarf groĂźer Anstrengungen, auch finanzieller Art. »Das Schulgeld beträgt, einschlieĂźlich Mittagessen in der Schulkantine, nur 70 Euro im Monat«, erklärt er uns. »Zugänglichkeit bedeutet allerdings auch Qualität und Sicherheit der Räumlichkeiten.« Der Zustand der Schule entspricht daher auch den Sicherheitsbestimmungen und -vorschriften, auch im Bereich Gesundheitsschutz, in einem MaĂźe, das weit ĂĽber dem Durchschnitt der italienischen Schulen liegt.

 

»Wir investieren regelmäßig in Schulgebäude und Personal. Unsere Lehrkräfte wurden mit unbefristetem Arbeitsverhältnis eingestellt und ihre Gehälter liegen nur knapp unter der in öffentlichen Arbeitsverhältnissen vorgesehenen Vergütung.«

 

Das ist nur ein Beispiel für den respektvollen Umgang, der für alle gilt, die hier lernen oder unterrichten. Und Respekt durchzieht in der Gesù-di-Nazareth-Schule ja auch täglich den gesamten Unterricht. Das bedeutet nicht nur Beachtung der Regeln, sondern auch Rücksichtnahme auf die persönliche Lebensgeschichte ­eines jeden. Besonders bei den Kindern, die finanziell und sozialbedingt in schwierigen familiären Verhältnissen leben.

 

Auch trotz gewisser Schwierigkeiten scheint die Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und Familien in dieser Schule besser als anderswo zu klappen. So klingt es zumindest zwischen den Worten der Lehrerin Anna durch, die als Kind diese Schule besuchte und heute hier als Kindergärtnerin arbeitet: »Wir suchen stets den Dialog mit den Familien unserer Kinder. Und die Reaktion, die wir erhalten, ist gut. Auch weil das Engagement der Schule gesehen und geschätzt wird. Besonders auch der persönliche Einsatz von uns Lehrern und Lehrerinnen.«

 

Das bestätigen ebenfalls die Zahlen: Jedes Jahr gibt es fĂĽr alle 123 freie ­Plätze Anmeldungen. Und das ist in einem Gebiet mit hoher Schulabbruchrate eine Tatsache, die dem diakonischen Einsatz der ELKI fĂĽr die Kinder und ihre Familien zu danken ist, die der Reaktion auf dringende soziale Fragen einen hohen Stellenwert beimisst.

 

Beim Mittagessen, bei dem uns das fröhliche Stimmengewirr der Kinder fast betäubt, treffen wir die Lehrerin Lia: »Wir versuchen, die Kinder zu bilden, sie aber auch zu erziehen und bei ihrem Wachstum vor möglichen Gefahren zu schützen.«

 

Eine dieser Gefahren stellt die Verbreitung der neuen Technologien unter den Kindern dar. Denn dabei besteht das Risiko, dass diese sich immer mehr in eine virtuelle Welt (soziale Medien und Videogames) begeben. »Wir müssen sie zu einem bewussten Umgang mit Internet und Computer erziehen, indem wir Regeln aufstellen und einhalten lassen«, so Lia. »Aber ohne die digitalen Medien an sich zu verteufeln, die ja bei einem gesunden Umgang gewiss etwas Positives sind«, fügt Pfarrer Poggioli hinzu.

 

Ferner muss jeder, der erzieht, stets bereit sein, auf Anregungen der Kinder zu reagieren. Diese sind »heute mehr denn je vielfältigen Anregungen ausgesetzt, mit ernüchternden Reaktionen. Bisweilen sind sie auch durch die unmittelbare Konfrontation mit neuen Familienmodellen verwirrt«, so Lia weiter. Man muss zuhören können und sich austauschen wollen, ohne sich durch die Neugierde und Ängste, die früher typisch für ältere Kinder waren, aus dem Konzept bringen zu lassen. »Vor einigen Tagen z.?B. wurde ich von meinen Schülern gefragt, was ›baby squillo‹ bedeutet. [Der Baby-squillo-Skandal, wörtlich: »das Baby anrufen«, erschütterte Italiens Öffentlichkeit Anfang dieses Jahres. Es ging dabei um die Kontakte u.?a. prominenter Persönlichkeiten zu einem Prostituiertenring, in dem minderjährige Schülerinnen aus gut situierten Familien aktiv waren; Anm.?d.?Red.] Im Fernsehen und zu Hause hatten sie davon gehört. Das Thema wurde dann natürlich mit dem dem Alter unserer Kinder entsprechenden Feingefühl besprochen«, erzählt uns Lia zum Abschluss. Wir verabschieden uns von den Lehrerinnen, Sekretärinnen, Hausmeisterinnen, Köchinnen und Pfarrer Poggioli mit der Überzeugung, dass im Schulwesen Ideen, Werte und vor allem Leidenschaft wie die, die in der Gesù-di-Nazareth-Schule zu spüren ist, für die Zukunft aller wesentlich sind.

 

Diesen Beitrag haben wir ĂĽbernommen aus Insieme – Miteinander, der Kirchenzeitung der ELKI, Nr. 3/2014.

 

Auszug aus dem »Lutherischen Dienst« 3/2014. Wenn Sie die weiteren Artikel lesen möchten – etwa ein Bericht ĂĽber die Studienreise des Martin-Luther-Bundes zu den lutherischen Gemeinden in Sibirien, ĂĽber den bayerischen Landesdiesporatag 2014, ĂĽber die Hilfe fĂĽr syrische FlĂĽchtlinge in Syrien u.v.m. â€“, bestellen Sie den » Lutherischen Dienst kostenlos. 

 

»Gesù di Nazareth« in Santa Maria la Bruna (Google Maps)