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Aktuelle Meldung



28.10.2005 - Kategorie: LD online, Rumänien

LD ONLINE: Wir wollen die Tränen abwischen




Hochwasser in Rumänien

 

von Zsombor Kovács

 

Auszug aus dem »Lutherischen Dienst« 4/2005



LD 4/2005

Die katastrophalen Folgen der Ăśberschwemmung sind ĂĽberall zu sehen.

Nach den Hochwassern in Rumänien steht die Bevölkerung von Temesch immer noch vor unüberwindlichen Problemen. Das Land, das ohnehin geschwächt ist durch wirtschaftliche und strukturelle Probleme, kämpft nun mit den Folgen der Katastrophe. Wie es genau in der besonders betroffenen Region Temesch aussieht, beschreibt Pfarrer Zsombor Kovács, der für die Koordination der kirchlichen Hilfe verantwortlich ist.

 

Im April und Mai dieses Jahres ist ein Teil des Banat, der Kreis Temesch in Rumänien, vom Hochwasser schwer getroffen worden. Der Katastrophenschutz hatte mehr als 4000 Personen evakuiert, weit mehr als 400 wurden durch das Hochwasser isoliert. Die angestiegene Temesch (Timis) durchbrach 25 km vom Dorf Otelek entfernt die Dämme und ĂĽberschwemmte alle Orte bis zum Ufer der weit entfernt liegenden Bega. Die Fläche zwischen den zwei FlĂĽssen hat sich in einen groĂźen natĂĽrlichen See verwandelt. Nach Cruceni und Foeni hat die Strömung das zur Dorfgemeinde Uivar gehörende Johannesfeld/Ionel und Otelek/Otelec ĂĽberschwemmt und am Ende auch Sanmartinul Maghiar eingeschlossen. Ăśber die katastrophale Lage in den drei Siedlungen der Dorfgemeinde informierte uns Uivars BĂĽrgermeister Pal Vajda:

 

»Johannesfeld wurde ganz von der Temesch ĂĽberflutet. Am Samstag, dem 30. April, haben wir mit Ruderboten die letzten 30 Personen und ihre Tiere aus dem Dorf gerettet. 80 bis 85 % von Otelek stehen schon unter Wasser. Es ist bemerkenswert, daĂź die Einwohner der drei Ortschaften vom gegenĂĽberliegenden Ufer des Bega-Kanals die Flutopfer ohne RĂĽcksicht auf die Nationalität, die Ungarn aus Otelek und Sanmartinul Maghiar und die Rumänen aus Johannesfeld in ihre Häuser aufgenommen haben.«

 

Das bis zu zwei Meter tiefe Wasser in Otelec konnte sechs Wochen lang nicht abflieĂźen. Solange hat es gedauert, bis 20.000.000 Kubikmeter Wasser mit 14 groĂźen Motorpumpen aus Ungarn in die Bega zurĂĽckgepumpt worden waren.

 

Die Schadensaufnahme hat ergeben, daĂź das Wasser in rund 1500 Häusern eingebrochen ist, von denen bis Anfang Mai bereits mehr als ein Drittel zusammengestĂĽrzt sind, 30.000 Hektar Felder sind ĂĽberschwemmt, mehr als 80 BrĂĽcken beschädigt oder vernichtet worden und mehr als 30 km StraĂźen und Wege sind unter Wasser geraten.

 

Um den Flutopfern helfen zu können, haben schon viele Organisationen und Privatfirmen, aber auch die verschiedenen Kirchen HilfsgĂĽter, Baumaterialien, Lebensmittel, Trinkwasser, Geld und Kleider gespendet. Eine Firma hat z.B. 1000 Paar Gummistiefel gespendet, die »Caritas« hat Kleider und Lebensmittel gesammelt, der »Malteser Sozialdienst« hat eine Sozialkantine eingerichtet usw. Die rumänische Regierung hat fĂĽr den Wiederaufbau der 1000 Häuser Geld zur VerfĂĽgung gestellt. Viele Menschen, die alles verloren haben, können wegen der ĂĽberschwemmten Felder noch nicht einmal auf eine Ernte hoffen. Sie brauchen noch viel, vor allem Lebensmittel, Medikamente und Baumaterialien. Die Zivilorganisationen des Kreises Temesch haben zusammen mit der Römisch-Katholischen, der Reformierten und der Evangelisch-Lutherischen Kirche fĂĽr diesen Zweck eine Stiftung mit dem Namen »Rekonstrukcio 2005« eingerichtet, an der sich auch die Evangelisch-Lutherische Kirche in Rumänien beteiligt.

 

Bei uns sieht es verheerend aus. Es wurden mittlerweile drei Familien ausgesucht, die von unserer Kirche Hilfe bekommen: eine Entscheidung, die wegen der ĂĽberall herrschenden Not sehr schwer gefallen ist. Bis jetzt haben verschiedene Kirchengemeinden aus Rumänien, die Kirchenleitung und das Klausenburger Dekanat gemeinsam schon 300.000.000 Lei (etwa 8500 EUR) zusammengetragen und den bedĂĽrftigen Familien zur VerfĂĽgung gestellt. Diese Summe ist aber nur ein Anfang. Damit können Lebensmittel, Hausgeräte und Baumaterialien angeschafft werden. Wir versuchen, soweit es uns möglich ist, die Menschen zu trösten, ihre Tränen abzuwischen und ihnen eine Hoffnung fĂĽr die Zukunft zu geben. Wir hoffen, daĂź Gott, durch unsere Schwestern und BrĂĽder aus der Ferne, uns in diesem gutgemeinten Vorhaben beistehen wird.

 


Zsombor Kovács ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde in Temeschwar/Timisoara in Rumänien.

 

Auszug aus dem »Lutherischen Dienst« 4/2005. Wenn Sie die weiteren Artikel – etwa ĂĽber »100 Jahre lutherische Kirche in Brasilien« – lesen möchten, bestellen Sie den »Lutherischen Dienst« kostenlos.