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Aktuelle Meldung



11.05.2005 - Kategorie: Italien

ITALIEN: Presseerklärungen der ELKI




Zum Tode von Johannes Paul II. und zur Wahl von Josef Kardinal Ratzinger als dessen Nachfolger Benedikt XVI. veröffentlichte die ELKI, die »Evangelisch-Lutherische Kirche in Italien«, zwei Presseerklärungen, die wir hier wiedergeben.



Johannes Paul II. zu Besuch in der Christuskirche – Foto: ELKI

Presseerklärung der ELKI zum Tod von Papst Johannes Paul II.

 

 

Er war glaubwĂĽrdig in seinem Willen, der Einheit der Kirche Jesu Christi zu dienen und sein Amt, auch ĂĽber die Funktion des Oberhaupts der katholischen Kirche hinaus zu sein, auszufĂĽllen.

 

Wenn das ökumenische Klima in Italien heute von Seiten der katholischen Kirche sehr viel mehr im geschwisterlichen Geist geprägt ist, dann hat er mit diesen Aktionen sehr viel dazu beigetragen.

 

In der Enzyklika »Ut unum sint« wiederholt er, was schon Paul Vl. festgestellt hatte, daĂź der Papst selbst das größte Hindernis fĂĽr die sichtbare Einheit der Kirche sei. Er hat »die anderen Geschwister« aufgefordert, darĂĽber nachzudenken, wie das Papstamt so bestimmt werden kann, daĂź es auch fĂĽr sie als Dienst an der Einheit der Kirche akzeptabel wäre.

 

Er blieb im Rahmen der katholischen Lehrtradition. Die Lehre ist weiterhin trennend.

 

Ein erster Schritt, dies aufzulösen, war die Unterzeichnung der »Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre« am 31. 10. 1999 in Augsburg zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Lutherischen Weltbund.
Diese stellt die erste Ăśbereinkunft zu Fragen der Lehre nach der Kirchentrennung des 16. Jahrhunderts dar. Auch wenn der Rechtfertigungsartikel innerhalb der katholischen »Hierarchie der Werte« nicht dieselbe zentrale Bedeutung hat wie im Bereich der Lutherischen Theologie, wird diese Erklärung die Gemeinsamkeiten weiter fördern und zutage bringen. An dem Erreichten ist weiter zu arbeiten.

 

Über die Ökumene hinaus war er ein Papst, der sich die Welt zur Herzensangelegenheit gemacht hat. Die Kirche hat ein politisches Wächteramt an dieser Welt. Sie darf sich nicht nur um sich selbst kümmern.
Er war ein aufrechter Zeuge unseres gemeinsamen Herrn, Jesus Christus.

Dekan JĂĽrgen G. Astfalk

 

 

Presseerklärung der ELKI zur Wahl von Josef Kardinal Ratzinger

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Italien beglĂĽckwĂĽnscht Josef Kardinal Ratzinger sowie alle katholischen Glaubensgeschwister zu seiner Wahl zum Papst.

 

Der neue Papst, Benedikt XVI., stammt aus dem Ursprungsland der Reformation. Er hat eine profunde Kenntnis auch der reformatorischen Kirchen. Schon als Konzilsberater hat er gerade auf dem Gebiet der Ă–kumene weit reichende Gedanken entwickelt.

 

Papst Benedikt XVI. ist ein Mann der theologischen Wissenschaft. Er verbindet Klarheit des Denkens mit dem Wollen, neue Verstehenshorizonte aufzuzeigen. Wir denken an Johannes XXIII., der ausdrĂĽckte, was heute unter uns unumstritten ist: »Was uns verbindet ist ungleich mehr als das, was uns trennt.« Von solchem Geist beseelt, öffnete er durch das II. Vatikanische Konzil die katholische Kirche fĂĽr die Ă–kumene. Wir wĂĽnschen Benedikt XVI., dass er das damals begonnene Werk weiterfĂĽhrt und als ein Papst in die Geschichte eingehen wird, der der Einheit der einen Kirche Jesu Christi als treuer Arbeiter im Weinberg Gottes gedient hat.

 

Papst Benedikt XVI. darf sich der FĂĽrbitte der Mitglieder der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien gewiss sein.

Dekan JĂĽrgen G. Astfalk


Papst Johannes Paul II. hat fĂĽr das ökumenische Klima wesentliche Impulse gesetzt. Er hat als erster Papst nach der Reformation auf einer evangelischen Kanzel gepredigt – in der Christuskirche in Rom 1983. In einer feierlichen Erklärung zu Märtyrern des 20. Jahrhunderts hat er auch Dietrich Bonhoeffer und Paul Schneider mit einbezogen. In seiner epochemachenden Bitte um Vergebung fĂĽr die SĂĽnden der Söhne und Töchter der Kirche, ist er ĂĽber das damals vorstellbare MaĂź an Schuldeingeständnis hinaus gegangen.Die Ă–kumene wurde von ihm im Konsistorium zur Grunddimension der Kirche erklärt. In diesem Sinn hat er den Auftrag des II. Vatikanischen Konzils umgesetzt, die katholische Kirche zu »den getrennten Glaubensgeschwistern« und zur Welt hin zu öffnen.